Leserbriefe an Gemeinde Bennwil 

Bedingungsloses Grundeinkommen in Bämbel testen für ein Jahr ohne Kosten für die Gemeinde

Die Dorfbewohner wählen den Gemeinderat und hoffen dass die Gewählten sich für das Dorf einsetzen. Doch im Laufe einer Amtszeit gibt es Situationen die sind so ausserordentlich, dass es nicht in der Amtsstube entschieden werden kann, sondern das ganze Dorf dazu Stellung nehmen muss. Mit so einer Situation wurde vor kurzem unser Gemeinderat konfrontiert. Vor ca. drei Wochen wurde ein Schweizer Dorf gesucht für ein aussergewöhnliches Experiment. Die preisgekrönte Schweizer Filmmacherin Rebecca Panian will in einem Dorf das bedingungslose Grundeinkommen testen, es soll herausgefunden werden, wie sich ein bedingungsloses Grundeinkommen auf zwischenmenschliches Verhalten und lokalen Wirtschaftskreislauf auswirkt.

Die aktuellen Sorgen der Bevölkerung vor Jobverlust, Migration, Globalisierung, Digitalisierung, usw. sind letztlich alle ein Ausdruck von Existenzangst. Mit diesem Projekt will man die Menschen in diesem Dorf von genau dieser Angst  ein Jahr lang befreien. Der Familienvater kann sein Arbeitspensum reduzieren und hat mehr Zeit für die Familie.

Das Projekt ist wie folgt  geplant: Den Einwohnern der ausgewählten Gemeinde für den Zeitraum eines Jahres eine Einkommensabsicherung in der Höhe des Existenzminimums zuzusprechen. Für Erwachsene liegt diese bei 2500 Franken und für Minderjährige bei 625 Franken. Dazu sollen alle Erwachsenen, die nichts verdienen, einen Betrag von 2500 Franken im Monat erhalten. Erzielen sie ein Einkommen darunter, wird auf 2500 Franken aufgestockt. Nur wer über 2500 Franken Salär hat, geht leer aus. Eine klassische Familie mit zwei Kindern, der Mann arbeitet voll, die Frau kümmert sich um den Haushalt, käme so auf einen monatlichen Zustupf von 3750 Franken. Ideal für das Projekt wäre ein Dorf mit 150 bis 1000 Personen. Die Bevölkerungsstruktur solle möglichst vielseitig sein mit einer Mischung aus Arbeitenden, AHV oder IV Bezügern,  Familien, Singles und Arbeitslosen.

Ein Bämbeler hat unsere Gemeinde für das Projekt vorgeschlagen, da wir die gewünschten Voraussetzungen vollumfänglich erfüllen. In einem ersten Schritt ist nun Rebecca Panian mit den Verantwortlichen unserer Gemeinde in Kontakt  getreten. Unsere Amtsstube hat das eigenmächtig abgelehnt, obwohl die Filmemacherin ausdrücklich erwähnte dass in der Gemeinde eine Abstimmung nötig sei, um zu erfahren, ob die Bevölkerung ein solches Projekt durchführen wolle.

Geschätzte Bämbeler, ich glaube die Mehrheit der Einwohner hätte so ein Projekt unterstützt, insbesondere da es viele Familien hat die glücklich wären wenn die Mammi nicht arbeiten müsste und die horrenden Hortkosten (Kita Rössli Hölstein) kein Budget schmälern würden. Auch die älteren Einwohner hätten sich dadurch ab und zu etwas Ausserordentliches gönnen können, da auch viele ältere Einwohner nicht auf Rosen gebettet sind und uns die hohen Zwangsabgaben von Bund, Kanton, Krankenkassen, Billag, Kehricht, Wasser, Abwasser  Hundesteuer etc. allmählich erdrücken werden. Bämbel hat damals das bedingungslose Grundeinkommen mit 17.56% Ja gegen 82.44% Nein – Stimmen abgelehnt. Trotzdem glaube ich, dass eine heutige Urnenabstimmung für den Jahresversuch eine Ja – Mehrheit gefunden hätte. Das Grundeinkommen sehe ich nicht als Allheilmittel, aber ich sehe auch Chancen dahinter und finde, es hätte zumindest an der Urne entschieden werden müssen und nicht eigenmächtig der Dorfbevölkerung vom Gemeinderat vorenthalten werden. Es wäre ein garantiertes Mindesteinkommen wie es auch die UNO in ihren Menschenrechtskonventionen fordert. Ein ähnliches Experiment läuft derzeit in Finnland seit Januar 2017 ohne dass daran Bedingungen geknüpft sind an 2000 zufällig ausgewählte Personen. Das Geld muss nicht einmal versteuert werden.

Alt Kantonsrat Urs Hümbeli

 

Anbei die teilanonymisierte Antwort der Filmemacherin R. Panian

Lieber………,

nochmals Danke, dass Sie Bennwil angemeldet haben. Ich hatte den Gemeinderat angeschrieben. Aber leider kam eine Absage zurück von Maja Scherrer. Auch wenn es nicht klappt (oder jetzt nicht) mit dem BGE  – ich finde es toll, wie Sie sich engagieren. Ihre Nachricht ist mir sehr nahe gegangen!

Ich hoffe Sie machen weiter. Wunderschön und so wichtig. Seien Sie von Herzen gegrüsst.

R. Panian

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